Die Historie der Zwiefalter Fasnet ist in einem engen Zusammenhang mit der Geschichte des ehemaligen Kloster Zwiefalten zu sehen. Die beiden Hauptfiguren der Zwiefalter Fasnet - der “Klosterrälle“ und der “Zwiefalter Hansel“ - finden in der klösterlichen Literatur erste Erwähnung. In der Zimmerischen Chronik ist von “Spaikatzen“, spottende Menschen oder Maskengestalten, die Rede. Bereits 1506 ist der Laubfressende Hofnarr Johann “Hansel“ vom 32. Abt Georg Piscatoris Vischer beschrieben. Aus dem Jahr 1684 sind Tagebucheintragungen vom Bruder Placidus a Nazareth über Bacchanalien (lustige Theater- aufführungen im Kloster) vorhanden. Im Jahr 1765 erließ Abt Benedikt eine Verordnung, wonach das Tanzen und Verkleiden am Glombigen Donnerstag und dem darauffolgenden Montag und Dienstag erlaubt sei (Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart).

Da das Kloster Zwiefalten große Kornkammern hatte und damit auch viele Mäuse dort ausreichend zu fressen fanden, waren Katzen in Zwiefalten schon immer Bestandteil des Ortsbildes. Auch frühgeschichtlichen Aberglauben wurden mit Katzen unheilvolle Vorhersagen in Verbindung gebracht. Diese Erkenntnis wurde in das Fasnachtstreiben übernommen. Wobei hierbei dem männlichen Kater, im Schwäbischen „Rälle“ genannt, eine besondere Rolle zufiel.

Um die Jahrhundertwende wurden in Zwiefalten erste Umzüge und Straßentheater veranstaltet. Dabei trat noch vor dem 1. Weltkrieg die älteste Fasnetsfigur das “Rössle“ bzw. der „Gäule-Reiter“ auf. Mit Ausbruch des 1. Weltkriegs wurde das Feiern der Fasnet zwar unterbrochen, aber mach Ende des 1. Weltkriegs kam die zweite Zwiefalter Einzelfigur der “Storch“ hinzu (1925). Ebenfalls fuhr in den 30er-Jahren bereits ein Hochrad an den Umzügen mit.

In den Aufzeichnungen von 1927 wird erstmals erwähnt, dass ein “Klosterrälling“ geschaffen wurde und auf einem Festwagen am Umzug teilgenommen hat. Ebenfalls wurde bereits 1929 ein Fansetsverein mit Vorstandschaft gegründet.

Der Narrenruf „Rälle-hui“ setzte sich immer mehr durch. 1935 trat zum ersten Mal ein “Dicker Mann“ an der Zwiefalter Fasnet auf. Bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs war Zwiefalten für die gesamte Zwiefalter Alb der Anziehungspunkt an der Fasnet mit seinem weithin bekannten Umzug am Fasnets-Dienstag.

Der erste Umzug nach Kriegsende fand 1949 statt. Bereits 1950 wurde wieder eine Kinderfasnet durchgeführt. Zu Beginn der 60er-Jahre wurden dann die ersten Fasnets-Märkte veranstaltet. Seit 1950 führt der Schäfer-Cölle die Schar der Kindernarren an der Fasnet an und ab Mitte der 60er-Jahre kam der Fasnets-Büttel hinzu.

Der bereits seit der Jahrhundertwende veranstaltete Fasnets-Dienstag Umzug wurde ab 1958 auch am Fasnet-Sonntag durchgeführt. Einige Jahre fanden dann zwei Umzüge statt, bevor man sich auf einen großen Narrensprung am Fasnets-Sonntag konzentrierte. Bis heute wird der traditionelle Rälle-Sprung am Fasnets-Sonntag veranstaltet.

Die Notwendigkeit die örtliche Fasnet sowie das Brauchtum in Form eines organisierten und eingetragenen Vereins pflegen zu können, führte im Jahr 1960 zur Gründung der Narrenzunft “Rälle“ Zwiefalten e. V. Seit 1961 wird der Zunftball als Ball-Saalveranstaltung mit Programm und Tanz durchgeführt. Bereits zwei Jahre nach Gründung der Narrenzunft wurde 1962 die erste Figur, der “Zwiefalter Klosterrälle“, mit Maske, Häs und Gschell vorgestellt. Seit 1968 wird der Fasnets-Jux-Markt am Fasnets-Montag und seit 1974 die Bruddelsupp am Fasnets-Dienstag abgehalten. Seit damals legt die Narrenzunft „Rälle“ Zwiefalten einen Schwerpunkt auf die sogenannte „Hausfasnet“, die vom Glombigen Donnerstag bis Fasnets-Dienstag ein strammes Programm für ihre Narren organisiert.

Im Jahr 1975 wurden die Krättenweiber wiedergegründet die bereits seit 1958 als Korbfrauen an der Zwiefalter Fasnet teilnahmen. 1977 kamen die Maskengruppen der “Teutschbuchgockel“ und 1978 der “Gauinger Bär“ hinzu. 1982 wurde die bisher letzte historische Maskengruppe, der “Zwiefalter Hansel“, mit Maske, Häs und Gschell der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Narrenzunft „Rälle“ Zwiefalten e. V. ist Gründungsmitglied der Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte (VFON) und hat aktuell ca. 600 Mitglieder. Sie wird in der Fasnet von der Musikkapelle Zwiefalten und dem Fanfarenzug der Kolpingsfamilie musikalisch unterstützt.

Seit Gründung der VFON 1969 durfte die Narrenzunft „Rälle“ Zwiefalten 1973, 1986, 1999 und 2009 die Ringtreffen der Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte ausrichten. Das Ringtreffen 2009 war zugleich das 40-jährige Jubiläumstreffen der VFON unter der Schirmherrschaft des damaligen Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg Günther Oettinger. Darüber hinaus veranstaltete die Narrenzunft zahlreiche Freundschaftstreffen.

Höhepunkt der bisherigen Fasnets-Feierlichkeiten war am 1. Februar 2015 das Jubiläumstreffen „250 Jahre Fasnet in Zwiefalten“ mit 40 befreundeten Narrenzünften und über 6.000 Narren unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und einer 3,5-stündigen TV-Live-Übertragung im Südwestrundfunk.